Für die Regionalliga-Fußballerinnen des FSV Gütersloh ist die Saison beendet, aber die Zitterpartie im Kampf um den Klassenerhalt geht weiter. Am letzten Spieltag entging der FSV trotz einer finalen 2:4-Niederlage bei Arminia Bielefeld dem direkten Abstieg. Er belegt aber in der Abschlusstabelle den gefährdeten 11. Platz. Der reicht nur dann zur Rettung, wenn die U21 des 1. FC Köln als Meister den Aufstieg in die 2. Frauen-Bundesliga schafft. Dafür muss sich der Nachwuchs des Bundesligisten gegen den Nord-Meister Holstein Kiel durchsetzen. Das Hinspiel findet in zwei und das Rückspiel erst in drei Wochen statt. Solange bleibt also in der Schwebe, für welche Liga der Verein für die nächste Spielzeit planen muss. FSV-Trainerin Britta Hainke gab sich nach dem Schlusspfiff in Bielefeld zuversichtlich, dass den Kölnerinnen, die sich den Titel am letzten Spieltag durch einen 2:0-Erfolg beim Absteiger Borussia Mönchengladbach II sicherten, der Aufstieg gelingt. „Wenn es klappt, wird es mit uns eine sehr attraktive Regionalliga“, sagte Hainke mit vorsichtiger Vorfreude. Der FSV Gütersloh würde in der dritthöchsten deutschen Spielklasse dann nicht nur erneut auf den als Vizemeister gescheiterten Titelfavoriten Borussia Dortmund treffen, sondern auch auf den als Westfalenligameister aufgestiegenen FC Schalke 04.
Vor 2.048 Zuschauern in der SchücoArena lieferten die Gütersloherinnen gegen den hoch favorisierten Tabellendritten eine insgesamt gute Leistung. Selbst mit einem Sieg wäre indes keine Verbesserung des Tabellenplatzes gelungen, weil sich der vor ihm platzierte SSV Rhade gleichzeitig mit 3:0 beim Absteiger Deutz 05 durchsetzte. Kurzzeitig befürchtete Britta Hainke allerdings den direkten Abstieg, als die Kunde von einer vermeintlichen Gladbacher 2:1-Führung gegen den 1. FC Köln U21 die Runde machte. Gladbach wäre mit einem Sieg nach Punkten am FSV vorbeigezogen. Tatsächlich erwies sich die Ergebnismeldung eines Fußball-Portals als falsch, wie Geschäftsführer Michael Horstkötter von der in Gladbach anwesenden Staffelleiterin Marianne Finke-Holtz erfuhr.
Den deutlich besseren Start erwischten die Bielefelderinnen, deren in Gütersloh lebende Trainerin Annabel Jäger vor dem Anpfiff verabschiedet worden war. Emilie Klingen nutzte eine von drei guten Chancen in der Anfangsviertelstunde in der 11. Minute zur 1:0-Führung. Zuvor hatte Jocelyn Hampel die Latte getroffen (8.), anschließend (15.) wehrte FSV-Torhüterin Emily Wittkowsky einen Schuss von Sophia Tiemann stark ab. „Wir haben zu Beginn viele Fehler gemacht. Vielleicht war das auch der großen Kulisse geschuldet“, überlegte Hainke. Einem kräftigen Gewitter geschuldet war die zwölfminütige Spielunterbrechung, für die Schiedsrichterin Silke Althaus (Senden) beide Teams nach 22 Minuten in die Kabine schickte. Wie eine kalte Dusche kassierten die Gütersloherinnen nach Wiederbeginn (27.) den zweiten Gegentreffer durch Jocelyn Hampel. Doch mit dem sofortigen 2:1-Anschlusstor durch Hannah Leßner (28.) übernahmen die Gütersloherinnen das Kommando auf der „Alm“. Pauline Berning scheiterte nach einem Zuspiel von Kathi Rädeker an Kira Kutzinski (34.), bevor Anna-Sophie Schindler die Arminia Keeperin mit einem Lupfer in Verlegenheit brachte (36.).
Eine ärgerliche Fehlerkette verschaffte den vom Publikum lautstark angefeuerten Gastgeberinnen in der 53. Minute dann wieder Rückenwind. Jocelyn Hampel war Nutznießerin, wobei Emily Wittkowsky ihren ersten Schuss noch reaktionsschnell abgewehrt hatte. Und als nur vier Minuten später das 4:1 durch Jana Leuchtmann fiel, kamen bei den Gütersloher Anhängern sogar Erinnerungen an die 0:6-Hinspielklatsche auf. Doch das FSV-Team fiel keineswegs auseinander, sondern fing sich rasch wieder. Anna Stockmann verkürzte in der 62. Minute auf 4:2, nachdem Kathi Rädeker einen energischen Solo-Vorstoß in den Bielefelder Strafraum mit einem Pass nach innen abgeschlossen hatte. Die unermüdlich attackierende Stockmann hatte zwei Minuten später sogar die nächste gute Chance, doch Arminias Schlussfrau Kutzinski lenkte ihren Schuss zur Ecke. Die Gütersloherinnen witterten auch in der Schlussphase ihre Chance, nachdem Emily Wittkowski ihre Farben in der 72. Minute mit einer Glanzparade gegen einen Kurzdistanz-Versuch von Jocelyn Hampel im Spiel gehalten hatte. Leider reichte es weder zu einem Punktgewinn noch zu einem dritten Treffer. Der letzte Schuss von Clara Koepke (89.) wurde gerade noch zur Ecke abgefälscht.
Wegen der Ungewissheit des Ausgangs war die Stimmung beim anschließenden Saisonabschluss von Spielerinnen, Trainerteam und Offiziellen in der Tönnies-Arena etwas verhalten. Ein Urgestein des Gütersloher Frauenfußballs war schon nicht mehr dabei. Einen Tag nach ihrem 39. Geburtstag teilte Birgitta Schmücker, die seit 2006 für den FCG und seit 2009 ununterbrochen für den FSV in Bundesliga, 2. Liga und Regionalliga gespielt hatte, ihre Entscheidung mit, die Karriere zu beenden.
Arminia Bielefeld: Kutzinski – Ebert (74. Preuß), Allmeroth, Bultmann, Reinkensmeier (60. Bärenwaldt) – Leuchtmann (87. Barkhausen) – Wehmeyer (60. Stuckenschnieder), Hampel, Lösch, Thiemann (74. Fenu) – Klingen. Im Aufgebot: Brakemeier, Ejupi, Czekalla, Venrath (Tw).
FSV Gütersloh: Wittkowsky – Rother, Haaqg, Bendix, Koepke – Kammermann – Stockmann (86. – Ladage), Berning (80. Koerdt), Schindler (86. Rohden), Leßner (66. Maier) – Rädeker (66. Hohensee). Im Aufgebot: Schmücker, Babic, Mehn, Otto (Tw).
Tore: 1:0 (11.) Klingen, 2:0 (27.) Hampel, 2:1 (28.) Leßner, 3:1 (53.) Hampel, 4:1 (57.) Leuchtmann, 4:2 (62.) Stockmann.


