An der Sensation geschnuppert, aber auf denkbar frustrierende Weise ausgeschieden: Der Traum des FSV Gütersloh vom Erreichen des Westfalenpokalfinals endete in der achten Minute der Nachspielzeit. Gerade erst hatte Friederike Ladage dem Regionalligisten im Halbfinale gegen den favorisierten Westfalenligisten FC Schalke 04 mit ihrem 1:1-Ausgleichstreffer (90.+7) vermeintlich das sofortige Elfmeterschießen beschert. Weil aber Schiedsrichterin Nina Werthschulte, die zuvor sechs Minuten Nachspielzeit angezeigt hatte, überraschenderweise immer noch weiterspielen ließ, bekamen die Gäste einen letzten Angriff und nutzten den durch Pia Beyer zum umjubelten Lucky Punch. „Das ist bitterer, als im Elfmeterschießen zu verlieren“, fand FSV-Trainerin Britta Hainke, sprach ihrem Team aber ein großes Kompliment aus. „Ihr habt Schalke einen riesigen Fight geliefert.“ Gut 400 Zuschauer erlebten in der Tönnies-Arena, wie die Gütersloherinnen nach dem Schlusspfiff enttäuscht zu Boden gingen, während die Gelsenkirchenerinnen mit ihrem lautstarken Anhang den Einzug ins Endspiel feierten. Dort treffen sie auf den Regionalligisten Arminia Bielefeld, der sich am Sonntag nahezu zeitgleich mit 3:0 beim Landesligisten TuS Wadersloh durchsetzte.
Britta Hainke bot für den FSV Gütersloh die gleiche Anfangself auf, wie zuletzt beim 3:1-Ligasieg in Essen. Schalke 04 begann mit den Ex-Gütersloherinnen Lilly Stohan und Nele Schmidt, Demi Pagel kam später über die Bank. Die vierte Gästespielerin mit Vergangenheit in der Tönnies-Arena, Sarah Grünheid, musste wegen fehlender Spielberechtigung zuschauen und tat dies zusammen mit Ex-Nationalspielerin Mandy Islacker, die ihre aktive Karriere wegen Schwangerschaft für beendet erklärt hat. Alessandra Vogel, Katharina Kemper, Jule von der Laan und Laura Radke fehlten bei den Gästen wegen Verletzungen. Auf der Tribüne verfolgten die Partie mit Shpresa Aradini (Karriereende), Janne Krumme (Eintracht Frankfurt) und Ronja Leubner (Borussia Dortmund) auch zwei letztjährige Zweitligaspielerinnen des FSV.
Sie erlebten in der ersten halben Stunde einen Dauerdruck in Königsblau. „Wir haben geschwommen“, gab Britta Hainke unumwunden zu. Dass ihr Team hier nicht in Rückstand geriet, lag zum einen an der tollen Parade von Torhüterin Leah Blohme beim Schuss von Dana Salic (9.). Zum anderen trafen Meltem Karadag (12.), Salic (19.), Schmidt (21.) und Jolina Opladen (35.) bei ihren Abschlüssen aus guten Positionen das Gütersloher Tor nicht. Als der bevorzugt mit langen Bällen agierende FSV stärker wurde, kam er zwar nicht zu Chancen von vergleichbarer Qualität. Aber er entwickelte mit drei Ecken und weiteren Offensivaktionen von Anna Stockmann (33.), Anna-Sophie Schindler (34.), Greta Hohensee (39.). Hannah Leßner (40.) und Stockmann/Schindler (45.+2) potenzielle Torgefahr. Häufig daran beteiligt war die mit ihrer Spritzigkeit im Mittelfeld auffällig agierende Anna-Lena Meier.
Zu Beginn der zweiten Halbzeit (55.) schepperte es dann bei Schalke im Kontor: Tina Rother traf mit einem Klärungsschlag den auf dem Tönnies-Gelände geparkten Gelsenkirchener Mannschaftsbus. Dem ersten Treffer näher war aber weiterhin das Team von S04-Coach Stefan Colmsee. Angetrieben von Pauline Dallmann, der jüngeren Schwester von Nationalspielerin Linda Dallmann, erspielte sich das Team weitere Top-Möglichkeiten, vergab sie aber durch Jolina Opladen (60.) und Carolin Mai (61.). Zwei weitere Male scheiterten die Gäste an der starken Kopfballabwehr von Tina Rother (59.) sowie an Leah Blome (63.), die einen 17-Meter-Schuss von Pia Rybacki im Nachfassen parierte. Die FSV-Keeperin glänzte darüberhinaus in der 68. Minute bei einem Schalker 15 Meter-Versuch und wehrte auch den Nachschuss von Nathalie Bollmann mit dem Fuß ab.
Wie bitter war es für die 19-jährige Torhüterin, dass es zu diesem Zeitpunkt durch einen Fehler von ihr 1:0 für die Königsblauen stand. In der 65. Minute hatte Dana Salic fast von der Torauslinie aus einen Ball scharf nach innen geflankt. Blome wollt ihn am kurzen Eck abfangen, lenkte ihn aber durch die Hände ins eigene Tor ab. Es spricht für die Moral des FSV Gütersloh, dass er nicht die Köpfe hängen ließ, sondern weiter versuchte, das Beste aus seinen Potenzialen zu machen. Und tatsächlich bot sich Katharina Rädeker in der 76. Minute die Riesenchance zum 1:1-Ausgleich. Mit energischem Einsatz erkonterte sich die schnelle Stürmerin eine 2:1-Überzahl, wählte im Strafraum aber nicht das Abspiel, sondern entschied sich zum Abschluss mit ihrem starken linken Fuß. Leider konnte die letzte Schalker Abwehrspielerin noch einen Fuß an den Ball bringen.
Mit dem Mute der Verzweiflung warfen die Gütersloherinnen nun alles nach vorne. Nach der Einwechslung der beiden 16-jährigen Merle Rohden und Friederike Ladage (77.) schickte Britta Hainke in der 85. Minute die 38-Jährige Birgitta Schmücker als Centerin in den Angriff. Und auch Leah Blome tauchte in der Nachspielzeit im Schalker Strafraum auf. Als die Niederlage schon besiegelt schien, wagte selbst Außenverteidigerin Tina Rother ein Dribbling durch die Schalker Mittelfeldreihen. Mit etwas Glück kam der Ball in der siebten Minute der Nachspielzeit zu Janna Koerdt, die zuvor als Sechserin mit der starken Leandra Kammermann ein Bollwerk vor der Abwerkette gebildet hatte. Die Bogenlampe aus über 20 Meter erreichte S04-Keeperin Julia Matuszek nur mit einer Hand, und die Gütersloher jubelten euphorisch, als die nachsetzende Friederike Ladage den abtropfenden Ball mit dem Körper zum 1:1 über die Linie drückte. Im Warten auf den längst fälligen Schlusspfiff vergaßen unsere Spielerinnen leider, den finalen Gelsenkirchener Angriff irgendwie zu stoppen. Und der eingewechselten Pia Beyer wurde im Strafraum zu viel Platz gelassen, so dass mit dem unhaltbaren Schuss zum 1:2 die kalte Dusche perfekt war.
Britta Hainke schüttelte sich kurz, analysierte die Situation dann aber mit Blick nach vorne: „Das war ein wertvolles Spiel für uns und eine wichtige Lerneinheit, die uns im weiteren Saisonverlauf helfen wird.“ Schon im nächsten Spiel am 12. April, wenn es im Abstiegskampf gegen den direkten Konkurrenten Vorwärts Spoho Köln geht, soll sich ein Effekt einstellen. Für die FSV-Trainerin liegt der Fokus ganz klar auf der Regionalliga: „Lieber heute so eine Niederlage und dafür am Sonntag ein Erfolg als umgekehrt.“
FSV Gütersloh: Blome – Koepke (85. Schmücker), Rother, Bendix, Leßner – Koerdt, Kammermann – Stockmann (77. Ladage), Schindler (66. Rädeker), Meier (77. Rohden) – Hohensee (46. Berning). Im Aufgebot: Haag, Babic, Mehn, Otto (Tw).
FC Schalke 04: Matuszek – Hünnemeyer, Stojan, Rybacki (84. Wilting), Schmidt – Klöß (75. Pagel), Dallmann (90.+4 Heilker), Salic – Karadag (55. Bollmann), Opladen, Mai (65. Beyer). Im Aufgebot: Eickmann, Noffke, Karwatzki, Kleinpas (Tw).
Schiedsricherin: Nina Werthschulte (Menden). Gelbe Karten: Leßner (Hand) – Wilting (Foul).
Zuschauer: 400.
Chancenverhältnis: 2:12 (0:5); Eckenverhältnis: 4:6 (3:3).
Tore: 0:1 (66.) Salic, 1:1 (90.+7) Ladage, 1:2 (90.+8) Beyer.


