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FSV-Mama Melanie Schuster: „Es war immer klar, dass ich wieder spielen wollte“

Wir haben was gegen Rassismus. Fußball verein(t) gegen Rassismus. (© Deutscher Fußball-Bund)

Die Szene hatte das Zeug für eine tragische Pointe: Erstmals nach ihrer Babypause war Melanie Schuster vergangenen Sonntag für den FSV Gütersloh wieder mit der Startelf aufgelaufen, da blieb sie wenige Sekunden nach dem Anpfiff der 2. Halbzeit mit dem Fuß im Rasen hängen. Die Innenverteidigerin verstolperte in hinterster Linie den Ball und die TSG Hoffenheim II nutzte das Geschenk zum 1:1-Ausgleich. „Mist“ habe sie gedacht, sich dann aber sofort gesagt: „Du kannst es nicht mehr ändern, also abhaken.“ Ihre Zuversicht auf mannschaftliche Wiedergutmachung („Es war ja noch lange genug zu spielen“) wurde nicht enttäuscht. Obwohl das Team anschließend sogar mit 1:2 in Rückstand geriet, gewann der FSV Gütersloh mit 4:2 und wahrte als Tabellendritter seine Chance auf den Bundesligaaufstieg.

Viel größere Comeback-Qualitäten der persönlichen Art waren von der 26-Jährigen in den letzten Monaten gefragt. Als erste Gütersloher Zweitligafußballerin kehrte sie als Mutter auf den Platz zurück. Anfang Oktober 2022 kam Töchterchen Mavie zur Welt. Keine sechs Monate danach trug sie wieder das Trikot der „Zweiten“, und am 2. April wurde sie erstmals wieder beim Spiel der „Ersten“ in Nürnberg eingewechselt. Inzwischen stehen 120 Einsätze in der 2. Liga sowie 14 DFB-Pokalspiele für sie zu Buche.

An die Beendigung ihrer vor 20 Jahren als Sechsjährige in Lotte begonnenen und seit 2012 beim FSV Gütersloh bestrittenen Karriere hatte „Melli“ Schuster keinen Gedanken verschwendet, als sie Anfang 2022 von ihrer Schwangerschaft erfuhr. Im Wissen darum bestritt sie am 27. Februar noch die Partie beim MSV Duisburg und informierte dann Trainerteam und Mitspielerinnen über die besonderen Umstände und die bevorstehende Wettkampfpause. „Aber es war immer klar, dass ich wieder Fußball spielen wollte“, blickt sie zurück. Bis Mai trainierte sie weiter mit der Mannschaft mit, hielt sich anschließend individuell fit, war aber trotzdem regelmäßig bei Training und Spielen dabei. „Ich war nie richtig weg“, beschreibt die mit ihrer kleinen Familie in Kamen-Methler lebende Fußballerin die enge Bindung ans FSV-Team. Sehr rasch nach der Geburt startete sie unter Hebammen-Anleitung ein achtwöchiges Rückbildungsprogramm und stieg dann vorsichtig mit Unterstützung von Fitnesscoach Kathrin Lückel wieder ins Vereinstraining ein. Nach einem halben Jahr stillte die Mutter ab, um der leistungssportlichen Belastung ihres Körpers gerecht zu werden.

Das ambitionierte Ziel, schon während der Rückrunde ins Zweitligageschehen zurückzukehren, ließ sich aber nur realisieren, weil Tochter, Ehemann und Familie mitspielten. „Mavie ist ein super entspanntes Kind“, schildert sie das Glück, das wohl auch dem verantwortungsvoll-gelassenen Umgang der Eltern mit der neuen Situation zu verdanken ist. Ehemann Lukas (30), als junger Bursche auch mal für RW Ahlen in der NRW-Liga und längst wieder für den heimatlichen Landesligisten SuS Kaiserau aktiv (übrigens wie seine Frau mit der Trikotnummer 7), versucht seinen Job als Automobilkaufmann zeitlich so einzurichten, dass sie Freiräume hat. Und wenn sich seine drei und ihre vier wöchentlichen Trainingstermine überschneiden, sind die Schwiegereltern zur Stelle. Nervt das ständige Organisieren-Müssen? „Nein“, sagt Melanie Schuster: „Ich bin vielmehr dankbar, dass es klappt.“ Zu den großen Unterstützern gehört natürlich ebenso ihre in Mettingen lebende Mutter. Auch Vater, Oma, Tante, den älteren Bruder Thomas und die jüngere Schwester Valeria, die sämtlich ebenfalls im Tecklenburger Land wohnen, zählt sie als enge Bezugspersonen auf, denn: „Familie ist mir sehr wichtig.“

Wichtig für „Melli“ Schuster ist auch ihre beste Freundin: Lea Schüller, Stürmerin beim FC Bayern München und 46-fache Nationalspielerin (dort natürlich mit der Rückennummer 7) lernte sie während der gemeinsamen Zeit in den U-Teams des DFB kennen und schätzen. Highlights dieser Jahre, in denen sie unter ihrem Mädchennamen Melanie Ott 15 Mal das Nationaltrikot trug, waren 2013 der Gewinn des U17-Europameistertitels in England sowie 2016 die U20-Weltmeisterschaft in Papua-Neuguinea, wo Deutschland im Viertelfinale an Frankreich scheiterte. „Jede Reise war ein persönliches Erlebnis, aber am anderen Ende der Welt zu sein, war schon verrückt“, erinnert sie sich besonders stark an den Trip nach Ozeanien. Dass sich der Traum von der A-Nationalmannschaft und auch der in jungen Jahren mal erwogene Wechsel zu einem Bundesligisten nicht realisierte, grämt sie längst nicht mehr. „Wer weiß, was gewesen wäre, wenn – und wer weiß, was dann nicht gewesen wäre“, sagt sie. Vielleicht hätte sich vor allem das private Glück mit Ehemann Lukas nicht so entwickelt. 2012 war Melanie Ott auf das Mädcheninternat des FLVW nach Kaiserau und unter Beteiligung von Christian Franz-Pohlmann aus einem Jungen-Team der Sportfreunde Lotte zum U17-Bundesligisten FSV Gütersloh gewechselt. Die Internatsmädchen trainierten unter der Woche bei SuS Kaiserau, wo Lukas Schuster damals bereits in der 1. Mannschaft spielte. Man sah sich, traf sich und zog 2016 nach ihrem Abitur an der Gesamtschule Kamen zusammen.

Zwei andere Faktoren trugen dazu bei, dass Melanie Schuster keinen Versuch unternahm, in die Bundesliga zu wechseln. „Ich war immer zufrieden beim FSV Gütersloh und habe mich nie danach gesehnt, den Verein zu verlassen“, führt sie den einen Grund an. Der andere: „Ich wollte zur Polizei, und das wäre mit der 1. Liga nicht zu vereinbaren gewesen.“ Doch es kam anders. Die Fußballerin scheiterte im ersten Anlauf bei der Aufnahmeprüfung um einen Punkt. Ein Jahr später bestand sie, doch dann reifte in ihr die Überzeugung, dass der Polizeidienst mit seiner hohen zeitlichen Beanspruchung von Abend- und Wochenenddiensten nicht mit ihrer Vorstellung von Familien- und Freizeitleben übereinstimmte. Schuster absolvierte stattdessen eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement und arbeitete bis zur Babypause in Dortmund bei der BFS health finance GmbH, einer auf das Abrechnungswesen für Ärzte und Kliniken fokussierten Arvato-Tochter. Nach einer zweijährigen Elternzeit plant sie ihre Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Ihren Vertrag beim FSV Gütersloh („Der Verein hat sich sehr gut entwickelt“) hat sie kürzlich um ein Jahr verlängert: „Ich hätte auch für zwei Jahre unterschreiben können, will aber erst mal abwarten, wie es mit der Kleinen klappt.“ Läuft es weiterhin so gut wie derzeit, will sie auf jeden Fall „noch ein paar Jahre“ spielen – und das auf hohem Niveau. Ein Wechsel etwa zu Borussia Dortmund, dessen Frauen von der Bezirks- in die Landesliga aufsteigen, kam deswegen überhaupt nicht in Frage „obwohl ich BVB-Fan bin.“ Welchen Weg wird der professionelle Frauenfußball in Deutschland einschlagen? Melanie Schuster („Man merkt, dass etwas im Kommen ist“) registriert zwar den positiven Trend mit hohen Zuschauerzahlen, ist aber von der aktuellen Situation rund um die mögliche Nichtübertragung der WM-Spiele in Deutschland enttäuscht: „Das ist ein klarer Rückschritt.“

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