Im Kampf um „Bonuspunkte“ für den Klassenerhalt schrammte der FSV Gütersloh nur ganz knapp an einer Überraschung vorbei. Beim Zweitliga-Spitzenreiter 1. FC Nürnberg brachten die Gütersloherinnen ihre frühe Führung nicht ins Ziel, sondern verloren durch einen Treffer in der 82. Minute mit 1:2. „Kämpferisch hätten wir definitiv einen Punkt verdient gehabt“, urteilte Cheftrainer Daniel Fröhlich, nach einer Partie, in der sein Team eine ganz andere läuferische Bereitschaft und ein ganz anderes Zweikampfverhalten an den Tag legte, als vor drei Wochen beim 0:6-Heimdebakel gegen den FC Ingolstadt. Die Belohnung blieb leider aus, aber die befürchtete Bestrafung zum Glück auch: Weil die drei Tabellenletzten allesamt verloren, wahrte der FSV als Tabellenzehnter den Vorsprung von vier Punkten vor einem Abstiegsplatz. Vergrößern kann er ihn möglicherweise, wenn ihm im Hinrundenfinale am Sonntag, 15. Dezember, in der heimischen Tönnies-Arena ein (Teil-)Erfolg über den Tabellenzweiten 1. FC Union Berlin gelingt. Dass die Stimmung in der FSV-Delegation trotz der prekären Tabellensituation schon auf der Hinreise am Samstag prächtig war, lag auch an einer Überraschung. Ohne dass die Spielerinnen und der Trainerstab davon wussten, war die verletzte Shpresa Aradini in den Bröskamp-Bus „geschmuggelt“ worden. Als sie nach ein paar Autobahn-Kilometern plötzlich aus dem WC trat, wurde es laut. Mit der 30-Jährigen, deren motivierender Teamspirit auf und neben dem Platz fehlt, war das Abschlusstraining beim Zwischenstopp im nordhessischen Guxhagen trotz ernsthafter Arbeitshaltung ein Vergnügen. Für manchen war auch überraschend, mit welcher Anfangself der FSV am Sonntag in Nürnberg auf den Max-Morlock-Platz auflief. Anstelle von Nele Schmidt (gelbgesperrt), Linda Preuß und Gizem Kilic waren diesmal Lea Bultmann und Celina Baum nominiert – und auch die aus der „Zweiten“ hochgezogene Pauline Berning. „Die Qualität sprach für sie“, erklärte Daniel Fröhlich, warum er die 23-Jährige, die ihr letztes von 44 Zweitligaspielen vor drei Jahren bestritten und danach ihre Karriere wegen mehrerer Ermüdungsbrüche im Fuß lange unterbrochen hatte, als hängende Sturmspitze neben Jacqueline Baumgärtel ins Rennen schickte. Die Partie lief gerade mal 28 Sekunden und acht Ballkontakte, da schockte der FSV Gütersloh die Gastgeberinnen mit dem 1:0-Führungstreffer. Finja Kappmeier hatte aus der eigenen Hälfte heraus einen flachen Steilpass mit perfektem Timing in den halblinken Raum hinter die Nürnberger Abwehrkette gespielt. Jacqueline Baumgärtel war schneller als FCN-Verteidigerin Annelie Thöle und schob den Ball eiskalt an Keeperin Hannah Etzold vorbei ins lange Eck – ihr achter Saisontreffer. Diese Führung hielt bis zur 64. Minute an, obwohl der Spitzenreiter schon vorher mehrere Möglichkeiten zum Ausgleich hatte. Erst vergab Nastassja Lein einen Hochkaräter (9.), dann zeigte Torhüterin Sarah Rolle ihre Klasse bei Kopfbällen von Klara Svensson Senelius (19.) und Medina Desic (35.). Aus dem Spiel heraus ließ der kompakt verteidigende FSV kaum gegnerische Chancen zu, aber bei Ecken und Freistoß-Hereingaben wurde Nürnberg immer gefährlich. „Leider haben wir es nicht geschafft, ein zweites Tor nachzulegen“, bedauerte Daniel Fröhlich. Dabei hatte der Coach vor allem die Szene aus der 32. Minute im Blick, als Pauline Berning nach einer Flanke von Celina Baum aus 14 Metern mit links stark abschloss, FCN-Keeperin Etzold aber glänzend reagierte. Direkt anschließend hatte nach der von Merle Hokamp getretenen Ecke auch Lilly Stojan noch eine Kopfballchance – auch hier war Etzold zur Stelle. In der zweiten Halbzeit musste der FSV erst wieder zwei Nürnberger Ecken überstehen (Stojan klärt auf der Linie, Thöle köpft auf die Latte), bevor ihm in der 48. Minute eine Chance geraubt wurde. Der sauber ausschauende Ballklau von Pauline Berning gegen Thöle an der Strafraumgrenze wurde von Schiedsrichterin Theresa Hug umstritten als Foul gewertet. Mit der in der 55. Minute erfolgten Auswechslung von Jacqueline Baumgärtel, die nach fast dreiwöchiger verletzungsbedingter Trainingspause keine Kraft mehr hatte, war dem FSV seine schärfste Konteroption genommen. Deswegen ging es nach dem 1:1-Ausgleich durch Medina Desic (64.), natürlich nach einer Ecke, fast nur noch darum, den einen Remis-Punkt zu verteidigen. Außer einem 18-Meter-Versuch von Lea Bultmann (67.), der das Tor weit verfehlte, kam der FSV zu keinem Abschluss mit Aussicht auf eine erneute Führung. Und als die montenegrinische Nationalspielerin Desic in der 82. Minute eine Flanke von Nastasja Lein zum 2:1 für Nürnberg einköpfte, ahnte man schon, dass die Gütersloherinnen leer ausgehen würden. Daniel Fröhlich gab danach zwar Innenverteidigerin Merle Hokamp fürs Mittelfeld frei, und mit Gizem Kilic kam die einzige auf der Bank noch verfügbare Stürmerin in die Partie. Doch mehr als ein problemlos gehaltener 22-Meter-Schuss war für die Gäste nicht drin. Immerhin – und auch das ist ein Fortschritt – brach der FSV nach dem Rückstand nicht auseinander. Weil Chiara Tappe (87.) und Sarah Rolle (88.) noch zweimal beherzt einschritten, kassierte man in der Schlussphase keinen weiteren Gegentreffer mehr. 1. FC Nürnberg: Etzold – Svensson Senelius, Thöle, Steck – Meroni, Guttenberger, Brengel (87. Brunmair), Salfelder (41. Scholz) – Mai (73. Bauereisen) – Desic, Lein (90.+2 Mailbeck). Im Aufgebot: Felix, Kerim-Lindland, Krammer (Tw). FSV Gütersloh: Rolle – Baum, Stojan, Hokamp, Kappmeier (84. Tappe) – Leubner (77. Preuß), Tellenbröker, Schuster, Bultmann (84. Kilic) – Berning, Baumgärtel (55. Rädeker). Im Aufgebot: Zitzer, Krumme (Tw). Schiedsrichterin: Theresa Hug (Schramberg). Gelbe Karten: Lein, Steck, Ostendorp (Trainer) – Baum. Zuschauer: 654. Ecken: 9:2 (4:2); Chancen: 8:3 (4:3). Tore: 0:1 (1.) Baumgärtel, 1:1 (64.) Desic, 2:1 (82.) Desic.
Drei Wochen nach der 0:6-Heimniederlage gegen Abstiegskandidat FC Ingolstadt haben die Fußballerinnen des FSV Gütersloh an diesem Sonntag die bestmögliche Gelegenheit, sich zu rehabilitieren und ihr wahres Gesicht zu zeigen. Das Zweitligateam von Daniel Fröhlich tritt um 13 Uhr beim Tabellenführer 1. FC Nürnberg an. „In dieser Liga kann jeder jeden schlagen“, ist der Cheftrainer überzeugt, dass der natürlich als Außenseiter auflaufende FSV eine realistische Chance hat, für den Klassenerhalt zu punkten. „Wir wissen, wie Nürnberg spielt“, hat er sich zusammen mit Co-Trainer Rainer Borgmeier ein personelles und taktisches Konzept überlegt, wie die mit 26 Punkten und 24:6 Toren auf Platz eins thronenden Fränkinnen in Bedrängnis zu bringen sind. Bislang hat der Bundesligaabsteiger von elf Spielen acht gewonnen und nur eines verloren – das mit 0:1 gegen Andernach allerdings auf dem eigenen Max-Morlock-Platz, wo die Bilanz mit zehn Punkten aus fünf Partien nicht makellos ist. Nach dem Schock des Ingolstadt-Spiels ist man beim FSV auf allen Ebenen erneut selbsthinterfragend auf die Suche nach den Gründen für die zumeist hoch ausgefallenen sechs Saisonniederlagen gegangen. „Wir haben intern einige Dinge angesprochen und geändert“, sagt Daniel Fröhlich. Er glaubt, dass vieles eine „Kopfsache“ ist: „Wenn wir das 0:1 kassieren, gehen die Köpfe häufig nach unten.“ Das Team stark zu reden und an den 5:1-Heimsieg über den Tabellendritten VfL Bochum sowie die Top-Leistung beim jüngsten 3:0-Auswärtssieg in Freiburg zu erinnern, reicht allein für eine Einstellungsänderung nicht aus. Auch Trainings- und Spielformen haben Fröhlich und Borgmeier zuletzt darauf ausgerichtet, positiv auf Rückstände zu reagieren. Zur speziellen Vorbereitung auf das Geläuf in Nürnberg fand das Training in der Woche auf dem Rasen im Gütersloher Sportzentrum Ost statt. Dass mit den verletzten Shpresa Aradini und Marie Schröder zwei Leistungsträgerinnen fehlen, ist keine neue Situation mehr. Hinzu kommt am Sonntag, dass Verteidigerin Nele Schmidt gelbgesperrt ist. Ansonsten steht der komplette Zweitligakader zur Verfügung, wobei einigen Spielerinnen die Pokal- und Länderspielpause nutzten, um Verletzungen, Blessuren und Erkältungen auszukurieren. Es hat aber auch Zuwachs gegeben: Mit Pauline Berning (23) steht erstmals wieder eine Stürmerin im 17-köpfigen Aufgebot, die zuletzt zum starken Auftreten des Regionalligateams beigetragen hat. Die frühere U19-Nationalspielerin, die ihr letztes von 44 Zweitligaspielen im April 2021 bestritt, hatte ihre Karriere nach mehreren Ermüdungsbrüchen im Fuß auf ärztlichen Rat hin beenden müssen. Erst im Mai 2024 feierte sie nach behutsamem Aufbau ein Comeback in der „Zweiten“, bestand alle Belastungstests und könnte mit ihrer fußballerischen Klasse nun wieder der „Ersten“ helfen.
Drumherumreden ist sinnlos und unglaubwürdig: Beim FSV Gütersloh schrillen die Alarmglocken. Die Fußballerinnen befinden sich im Abstiegskampf der 2. Frauen-Bundesliga. Wer das vergessen hatte und das Team nach dem jüngsten 3:0-Sieg in Freiburg im Aufwind wähnte, wurde am Sonntag auf schmerzlichste Weise in die Realität zurückgeholt. Der FSV kassierte mit dem 0:6 gegen den als Schlusslicht angereisten FC Ingolstadt die höchste Heimniederlage im 15. Jahr der Zugehörigkeit zum deutschen Unterhaus. Damit egalisierte das Team gleichzeitig den Gütersloher Negativrekord für ein Meisterschaftsspiel in der 2. Liga, den das Team am 1. September mit der 0:6-Klatsche beim Hamburger SV aufgestellt hatte. Angesichts des zunehmend wehrlosen Auftritts war Cheftrainer Daniel Fröhlich genauso wie das enttäuschte Publikum in der Tönnies-Arena konsterniert und flüchtete sich mit Verweis auf die vielen hohen Niederlagen in dieser Saison in bissige Übertreibung: „Ich verstehe das überhaupt nicht, wir kassieren 50.000 Gegentore. Irgendwann ist mal Schicht im Schacht.“ Tatsächlich summiert sich die Zahl der Gegentreffer in elf Spielen auf 29. Selbst die drei Teams, die aktuell auf den Abstiegsplätzen liegen, kommen nicht annähernd auf einen derart schlechten Wert. Statt den erhofften „Dreier“ gegen den Tabellenletzten einzufahren und sich damit auf Rang sechs zu verbessern, fiel der FSV auf Position zehn zurück und hat nur noch vier Punkte Vorsprung vor einem Abstiegsplatz. „Wir haben die gute Ausgangsposition verschenkt“, grantelte der Coach. Und die letzten beiden Hinrundenspiele verheißen nichts Gutes, denn es geht gegen Tabellenführer 1. FC Nürnberg und den Tabellenzweiten 1. FC Union Berlin. Eine halbe Stunde lang hielten die Gütersloherinnen hinten die Null – wenn auch nur durch eine Glanzblockade von Torhüterin Sarah Rolle im Eins-gegen-Eins-Duell mit der steil freigepassten Ingolstädterin Magdalena Schwarz (11.). Während der FSV vorwiegend bedächtig aufbaute, aber immer mal wieder mit Tempo angriff und vor allem ins Pressing ging, beschränkten sich die abwartenden Gäste auf seltene Umschaltsituationen. Ein 18-Meter-Flachschuss von Linda Preuß (9.) und eine Top-Kopfballchance für Gizem Kılıç (24.) machten Hoffnung auf baldigen Torjubel: Die wie erwartet im Sturm anspielende Kilic traf den Ball bei einer Flanke von Nele Schmidt freistehend nicht voll, und er landete neben dem Ingolstädter Tor. Die 1:0-Führung für die Gäste in der 30. Minute hatte sich nicht wirklich angedeutet: Nach einem unklaren Gütersloher Abwehrgewusel an der Strafraumgrenze kam der Ball zu Emma Kusch, die aus 14 Metern ins lange Eck vollendete. Vielleicht wäre es mit diesem knappen Rückstand in die Pause gegangen, wenn nicht Monique Panetta in der 39. Minute eine folgenschwere Fehlentscheidung getroffen hätte. Als FCI-Angreiferin Nadja Burkard im Dribbling vor dem rechten Gütersloher Strafraumeck auf dem Ball ausrutschte, entschied die Schiedsrichterin völlig überraschend auf Foul. Katharina Krist trat den Freistoß, und der Ball flog an der recht spät reagierenden Sarah Rolle vorbei, prallte an den langen Innenpfosten und von da zum 0:2 ins Netz. So viel Glück war Merle Hokamp in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit nicht beschieden – ihr 20-Meter-Freistoß ging knapp am langen Pfosten vorbei. Einen Rückstand aufzuholen war dem FSV Gütersloh in dieser Saison noch nicht vergönnt, und es sollte auch diesmal nicht gelingen. Schlimmer noch: Schon in der 49. Minute fing sich das abwehrschwache Team das 0:3 durch Stefanie Reischmann, die nach einem einfachen Zuspiel von der Torauslinie mit der Fußspitze schneller am Ball war als die Verteidigerinnen. Die Partie schien entschieden, und doch roch es kurz nach Aufholjagd, als Monique Panetta in der 59. Minute auf den Elfmeterpunkt zeigte. Maren Tellenbröker war beim Versuch, ein Dribbling von Ivana Slipcevic aus dem Strafraum heraus zu unterbinden, zu Fall gekommen. Lilly Stojan schoss mit dem flach und fast mittig getretenen Foulelfmeter aber die Ingolstädter Torhüterin Franziska Maier an – und die Köpfe beim FSV gingen noch mehr nach unten. Alle Versuche, irgendwie Torgefahr zu produzieren, schlugen schon im Ansatz fehl. Und in der Gegenrichtung fehlten die Mittel und die Leidenschaft, um das sich anbahnende Debakel zu verhindern. „Das ist absolut eine Sache der Einstellung“, ärgerte sich Daniel Fröhlich deutlich über die fehlende Gegenwehr und die Führungslosigkeit in seinem Team. Nahezu jeder Tiefenball der Schanzerinnen, die zuvor in der gesamten Saison erst sechs Treffer erzielt hatten, führte zu weiteren Gegentoren. Die Stimme des diesmal als Stadionsprecher eingesprungenen Sportlichen Leiters Markus Graskamp wurde von Tor zu Tor immer trauriger und leiser. Erst musste er in der 68. Minute das 0:4 von Nadja Burkard durchsagen. Nele Schmidt hatte den Ball beim Rettungsversuch an den Pfosten gelupft, dann hatten aber weder sie noch Lilly Stojan entschlossen reagiert und Burkard konnte abstauben. Dann „flüsterte“ Graskamp die beiden Tore zum 0:5 (74.) und 0:6 (90+1.) von Pija Reininger ins Stadionmikrofon. Während die nach 65 Minuten auf den Platz gekommene Stürmerin das Ingolstädter Spiel noch einmal richtig belebte, verpufften sämtliche Gütersloher Wechsel wirkungslos. Einmal mehr wurden die Langzeitverletzten Shpresa Aradini und Marie Schröder vermisst, und mit Celina Baum saß nach ihrer in Freiburg erlittenen Kopfverletzung eine weitere Stammspielerin auf der Zuschauertribüne. Zu allem Überfluss humpelte Jacqueline Baumgärtel eine Viertelstunde vor Schluss vom Platz; die mit sieben Treffern beste Torjägerin der Liga hatte sich bei einem mit Gelb bestraften Einsteigen gegen Emma Kusch selber am Fuß verletzt. Bevor es für den FSV in der 2. Frauen-Bundesliga mit der Partie in Nürnberg weitergeht (8.Dezember) bestreitet er noch ein Freundschaftsspiel. Am Sonntag, 1. Dezember, empfängt er um 14 Uhr im Sportzentrum Ost mit der SpVg. Aurich den Tabellenführer der Oberliga Niedersachsen. FSV Gütersloh: Rolle – Schmidt, Stojan, Hokamp, Kappmeier (87. Zitzer) – Leubner (87. Tappe), Schuster, Tellenbröker, Preuß (87. Bartling) – Baumgärtel (75. Bultmann), Kılıç (65. Wisniewski). Im Aufgebot: Krumme (Tw). FC Ingolstadt: Maier – Timmermann (83. Wolski), Krist (75. Penzkofer), Fritz, Härtl – Schwarz (75. Vidovic), Slipcevic (83. Galvez Estrada), Reischmann, Kusch (65. Reininger) – Ebert, Burkard. Im Aufgebot: Schmittmann, Bogenschütz, Winter, Daum (Tw). Schiedsrichterin: Monique Panetta (Bad Frankenhausen); Gelbe Karten: Leubner, Schmidt, Baumgärtel – Krist. Ecken: 2:4 (1:3); Chancen: 2:9 (1:4). Tore: 0:1 (30.) Kusch, 0:2 (39.) Krist, 0:3 (49.) Reischmann, 0:4 (68.) Burkard, 0:5 (74.) Reininger, 0:6 (90.+1) Reininger.
Gerade noch rechtzeitig hat der FSV Gütersloh mit dem 3:0 in Freiburg den ersten Auswärtssieg in der 2. Frauen-Bundesliga geschafft. Verstärken kann er den spürbaren Aufwind in der Stimmungslage und in der Tabelle jetzt mit einem Heimsieg über den FC Ingolstadt. „Wir wollen uns noch weiter von den unteren Rängen absetzen“, gibt Daniel Fröhlich als Ziel aus. Ein Erfolg über das Schlusslicht in der Tönnies-Arena (Sonntag, 14 Uhr) wäre umso wichtiger, als es das Hinrundenfinale für den Tabellensiebten in sich hat: Am 8. Dezember geht die Reise zum Spitzenreiter 1. FC Nürnberg, und am 15. Dezember kommt der Tabellenzweite 1. FC Union Berlin ins FSV-Wohnzimmer. „Zwei Gegner, gegen die bei uns vieles positiv zusammenlaufen muss, wenn wir gewinnen wollen“, weiß unser Cheftrainer. Aber auch vom aktuellen Ranking des FC Ingolstadt lässt sich Daniel Fröhlich nicht zu einer leichtfertigen Siegprognose verleiten. „Wir haben schon mal gegen einen Tabellenletzten gespielt“, erinnert Fröhlich an die Partie beim FC Bayern München II, die Anfang Oktober bekanntlich mit 2:5 verloren ging. Übrigens: Die polnische Nationalspielerin Weronika Zawistowska, die die Gütersloherinnen damals schwindelig spielte, ist inzwischen zu einer „Waffe“ für Bayerns Erste in der Bundesliga geworden und sorgte am vergangenen Dienstag sogar im Champions-League-Spiel gegen Valerenga IF aus Norwegen (3:0) für Furore. Den Gütersloher Sieg beim SC Freiburg II musste sich Daniel Fröhlich wegen seiner Gelbrot-Sperre von der Tribüne des Möslestadions anschauen. Und auch, wenn er von dort erkannte, dass die Freiburgerinnen nicht ihre beste Tagesform hatten, sah er „ein Stück weit die beste Saisonleistung“ seines Teams. Das wird er gegen die Schanzerinnen aus Ingolstadt zumindest auf einer Position ändern müssen, denn Celina Baum ist nach dem heftigen Crash und der Platzwunde am Hinterkopf für zunächst eine Woche krankgeschrieben worden. Eine Option für ihre Position im Sturm ist Gizem Kılıç, die schon in Freiburg für Baum eingewechselt worden war und ihre Aufgabe gut erfüllte. Auf der Ausfallliste stehen ansonsten nur noch Shpresa Aradini (Kreuzbandriss) und Marie Schröder. Die Stürmerin, die vor drei Wochen eine Außenbandverletzung im Knie sowie eine Prellung des Schienbeinkopfes erlitt, muss vorerst nicht operiert werden, steht aber frühestens zur Rückrunde wieder zur Verfügung.
Natürlich fällt im Zusammenhang mit dem FC Ingolstadt aktuell vielen der Name Sabrina Wittmann ein. Die 33-Jährige ist seit Mai 2024 die erste Frau auf einem Cheftrainerposten im deutschen Profifußball – bei den Männern versteht sich. Wittmann hat aber auch eine Vergangenheit als Spielerin beim FCI: Von 2011 bis 2013 war sie für die Schanzerinnen aktiv und stieg 2012 von der Landesliga in die Bayernliga auf. Anschließend setzte die Außenverteidigerin ihre Karriere bei Bayernligisten in Fürth und München fort. Den Aufstieg der Ingolstädter Frauen über die Regionalliga Süd (2014) bis in die 2. Bundesliga (2019) erlebte Wittmann aus der Fremde. Inzwischen bestreitet der FCI seine sechste Saison in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Auf Rang sechs im ersten Jahr folgte Platz vier in der Süd-Staffel. Anschließend kämpfte der FCI zweimal gegen den Abstieg in der wieder eingleisigen Liga, schaffte aber jeweils als Elfter den Klassenerhalt. In der vergangenen Saison stellte der Klub erstmals einen Lizenzantrag für die Bundesliga, weil das Team auf Rang sechs überwinterte. Auch strukturell hatte die Abteilung einen Schritt hin zu größerer Professionalisierung getan. Trainer Miren Catovic (35), seit 2022 an der Seitenlinie, wurde hauptberuflich beschäftigt, und Abteilungsleiterin Simone Wagner arbeitet in Teilzeit für den Klub. Das Thema Aufstieg erledigte sich aber schnell, und am Ende der Saison war man froh, als Tabellenzehnter mit 27 Punkten den Klassenerhalt geschafft zu haben. Gegen den FSV Gütersloh gab es dabei nichts zu holen: Nach der 1:4-Heimpleite in der Hinrunde gab es auch im Rückspiel in der Tönnies-Arena eine 1:2-Niederlage. Paula Reimann (65.) und Marie Schröder (80.) erzielten die Gütersloher Treffer, während die türkische Nationalspielerin Melike Pekel zwischenzeitlich zum 1:1 für Ingolstadt ausgeglichen hatte. Vor der Saison 2024/2025 gab es im Audi-Sportpark, wo die Schanzerinnen auf einem Kunstrasenplatz neben der Arena ihre Heimspiele austragen, einen großen personellen Umbruch. Elf Spielerinnen verließen den Klub (neben Vilena y Scheffler und Stiglmair wechselte auch Pekel in die österreichische Bundesliga), neun Neuzugänge sollten die Abgänge kompensieren. Drei kamen vom Bundesligaabsteiger 1. FC Nürnberg (Kusch, Burkard, Bogenschütz), drei aus der U20 und der U17 des FC Bayern München (Reischmann, Timmermann, Tschiers). Mit Magdalena Schwarz kehrte zudem ein ehemaliges Bayern-Talent aus den USA nach Deutschland zurück. Vom Südwest-Regionalligisten SV Elversberg wurde Mara Winter verpflichtet, und Larissa Galvez-Estrada ließ sich nach einem vereinslosen Jahr für ihren vorherigen Klub reaktivieren. Miren Catovic hatte aber wohl den richtigen Riecher, als er im „Donaukurier“ eine problematische Spielzeit vorhersagte. Als reine Amateur-Mannschaft mit einem der niedrigsten Budgets werde es immer schwieriger, in der stetig stärker und professioneller werdenden Liga zu bestehen, so der Trainer: „Da musst du als Mannschaft und Trainerteam viel mehr tun, um das zu kompensieren. Das ist manchmal gar nicht möglich.“ Und er zählte die infrastrukturellen Defizite auf: „Wir haben nicht einmal eine eigene Kabine, keinen eigenen Trainingsplatz, spielen beim MTV, der nicht unsere Heimat ist, und haben wenig Zuschauer – das sind alles Faktoren, die eine große Rolle spielen.“ Die Saison startete sofort mit einer Enttäuschung, denn die Schanzerinnen schieden mit einer 2:3-Niederlage beim Regionalligisten Kickers Offenbach bereits in der ersten Runde aus dem DFB-Pokalwettbewerb aus. Auch in der 2. Liga lief es nicht gut. Der FCI musste nach drei Niederlagen und drei Unentschieden bis zum 7. Spieltag auf den ersten Sieg (1:0 in Freiburg) warten. Danach gab es allerdings drei weitere Zu-Null-Schlappen (0:5 gegen Berlin, 0:1 in Bochum, 0:3 gegen Hamburg), so dass das offensivschwache Team mit sechs Punkten und dem negativsten Torverhältnis der gesamten Liga (6:18) den letzten Tabellenplatz belegt. Bei der jüngsten Heimschlappe gegen den HSV geriet der FC Ingolstadt schon nach drei Minuten durch Lisa Baum mit 0:1 in Rückstand. „Dabei wollten wir so lange wie möglich defensiv gut stehen“, ärgerte sich Co-Trainer Mario Nurtsch, der bei der Analyse seinen nach Spielschluss enttäuscht auf der Bank verharrenden Cheftrainer Miren Catovic vertrat. Im zweiten Durchgang verzeichneten die Schanzerinnen zwar ein deutliches Chancenplus, doch die Treffer erzielten die Hamburgerinnen durch Baum (79.) und Dana Marquardt (85.). Drei Spiele bleiben dem Schlusslicht vor der Winterpause noch, um nicht gänzlich den Anschluss zu verlieren. „Gütersloh, Weinberg und Bayern sind Mannschaften, gegen die wir punkten können. Das werden entscheidende Spiele. Wir sehen Licht am Ende des Tunnels, denn mit Lisa Ebert, Emma Kusch und Franziska Maier sind in dieser Woche wichtige Spielerinnen zurückgekehrt. Wir werden uns jetzt konzentriert vorbereiten und mit dem gestärkten Kader in die Partie gegen Gütersloh gehen“, kündigte Nurtsch an.
Einerseits hatte sich Lilly Stojan natürlich einen Sieg für ihr Jubiläum gewünscht. Den gab es am vergangenen Sonntag mit dem 3:0-Erfolg in Freiburg denn auch. Andererseits hatte sie sich natürlich nicht gewünscht, ihr 100. Pflichtspiel für den FSV Gütersloh mit einer blutenden Platzwunde am Kopf zu beenden. Glücklicherweise überstand sie den Crash mit Celina Baum ohne schwerwiegende Folgen – wenn man mal von dem „Veilchen“ absieht, das in den Tagen danach zu voller Blüte heranwuchs. Hundert Mal also war Lilly Stojan für unsere „Erste“ am Ball, 95 Mal in der 2. Bundesliga und fünf Mal im DFB-Pokal. Hinzu kommen 43 Partien für das U17-Bundesligateam, fünf Aushilfseinsätze in der „Zweiten“ sowie ungezählte Freundschafts- und Testspiele. Eine stolze Bilanz für die 23-Jährige, die im aktuellen Zweitligakader nach Shpresa Aradini und Melanie Schuster die Spielerin mit der drittlängsten Verweildauer beim FSV Gütersloh ist. Zu Beginn des Jahres 2015 wechselte die gebürtige Bochumerin in die Tönnies-Arena. Am 19. August 2018 feierte sie ihr Debüt in der 2. Liga, als sie in der 79. Minute beim 5:0-Sieg über FF USV Jena für Aradini eingewechselt wurde. Wer jetzt nachrechnet, kommt zu der Feststellung, dass 100 Pflichtspiele in sechseinhalb Spielzeiten, davon rund die Hälfte nach Einwechslungen, nicht das Maximum sind. Tatsächlich musste Lilly Stojan bis zu dieser Saison warten, dass sie Stammspielerin wurde. „Ich war froh über den Trainerwechsel“, sagt die Verteidigerin mit Verweis auf Chefcoach Daniel Fröhlich und „Co“ Rainer Borgmeier, die ihr in allen neun Partien, in denen sie zur Verfügung stand, einen Platz in der Anfangself anvertrauten. So lange auf diesen Status hinzuarbeiten, nicht aufzugeben oder den Verein zu wechseln, ist einer der bemerkenswerten Aspekte in der Karriere von Lilly Stojan. „Es gab Optionen“, gibt sie entsprechende Überlegungen zu, aber sie verwarf sie stets: „Mit vielen spiele ich schon lange zusammen, wir hatten immer ein gutes Team und ich habe mich hier wohlgefühlt – das ist der Hauptgrund, warum ich geblieben bin.“ Dass Lilly Stojan Fußballerin wurde, kam nicht von ungefähr, aber es hätte auch anders kommen können. Ihr drei Jahre älterer Bruder Jasper spielte bei Weitmar 45. „Das fand ich ganz toll“, schildert Lilly, warum auch sie sich mit vier Jahren beim Bochumer Stadtteilkub anmelden ließ. Und genau wie ihr ebenfalls talentierter Bruder – der später bei RW Oberhausen zum Regionalligaspieler wurde, seine Karriere als Innenverteidiger nach einer schweren Knieverletzung bei den Oberligisten ASC Dortmund und TSG Sprockhövel fortsetzte und inzwischen in der Westfalenliga spielt – wechselte auch sie in jungen Jahren zum VfL Bochum. Parallel aber fand sie gefallen an der Leichtathletik und entwickelte sich beim TV Wattenscheid zu einer recht erfolgreichen Läuferin. Mit 14 Jahren lief sie die 800 Meter in 2:27 Minuten. 2014 wurde sie mit dem U16-Team immerhin deutscher Vizemeister. Mit weniger Trainingseinheiten als die Konkurrenz („Dreimal Fußball und nur einmal Leichtathletik“) reichte es aber nicht, auf hohem Niveau Schritt zu halten. Deshalb verabschiedete sie sich von der Individualsportart und setzte ganz auf den Mannschaftssport, zumal Anfang 2015 auf einem Hallenturnier die Anfrage des damaligen FSV-Nachwuchstrainers Lucas Voßkuhl kam. „Ich wollte es einfach mal probieren“, erinnert sie sich an die Herausforderung, schon als junges U15-Mädchen die aufwändigen Fahrten (meist mit dem Zug) zum mehrmals wöchentlichen Training nach Rheda zu unternehmen. Erleichtert wurde ihr die Entscheidung durch die fehlende Perspektive in Bochum: Der VfL-Vorstand wollte die Sparte Frauenfußball aus finanziellen Gründen zunächst ganz schließen, schwächte das nach Fan-Protesten zwar ab, zog das Zweitligateam aber zur Saison 2015/2016 freiwillig in die Regionalliga zurück. Das Mädchen-Internat des FLVW in Kaiserau, in dem sich viele junge FSV-Talente tummelten, war nie ein Thema: „Ich war zwar Westfalenauswahl, aber nicht wirklich Spitze.“ Beim FSV spielte sie von 2015 bis 2018 in der U17-Bundesliga. Größter Erfolg war mit Trainerin Jacqueline Dünker und Co-Trainer Matthias Kaiser das Erreichen des DM-Finales 2016, das mit 2:4 gegen Turbine Potsdam verloren ging. „Zwischendurch habe ich versucht, mein Abi auf die Beine zu stellen“, umschreibt sie die Doppelbelastung, die sie 2018 als 17-Jährige erfolgreich zum Abschluss brachte. Es folgten sechs Jahre in der 2. Frauen-Bundesliga. „Bei Mo Stricker und Steffen Enge hatte ich meine Einsatzzeiten, aber Britta Hainke und Sammy Messalkhi hatten mich nicht so auf dem Radar“, sagt sie mit Blick auf die diversen Trainerkonstellationen. Der Versuch, sie in der letzten Saison auch als Stürmerin einzusetzen, gefiel ihr nicht besonders: „Ich bin gelernte Innenverteidigerin, und auf der Position sehe ich mich auch.“ Dass die neuen Coaches Daniel Fröhlich und Rainer Borgmeier unvoreingenommen in die Vorbereitung starteten, kam ihr zugute. Sie entwickelte sich zu einer festen Größe und zu einer Konstanten in der Abwehrkette. Dass angesichts von bisher 23 Gegentoren gerade dieser Mannschaftsteil im Fokus der Kritik steht, muss sie hinnehmen: „Oft haben wir vorne die Dinger nicht gemacht und hinten die Tore kassiert.“ Eine handfeste Erklärung hat Lilly Stojan nicht: „Dann entwickelt sich eine Abwärtsspirale, wir konnten den Kopf nicht ausschalten und haben als Team nicht so gut funktioniert. Wir müssen uns stärker zusammenraffen.“ Gesagt hat sie diese Sätze (ebenso wie diesen: „Seit dem Testspiel gegen Zwolle hat sich was geändert.“) schon vor der Partie in Freiburg, wo der FSV auswärts erstmals gewann und erstmals ohne Gegentor blieb. Ähnlich wie beim FSV Gütersloh nimmt Lilly Stojan auch in anderer Hinsicht einen langen Anlauf, um den persönlichen Erfolg zu manifestieren. Sie ist schon im zehnten Semester an der Ruhr-Universität Bochum für den anspruchsvollen Studiengang Management & Economics eingeschrieben und strebt für 2025 den Bachelor-Abschluss an. Das Personalwesen („Human Resources“) gefällt ihr momentan am besten, hier arbeitet sie nebenher als Werksstudentin mit einem beträchtlichen Stundenumfang für eine Unternehmensberatung in Dortmund. Wohnen tut sie weiterhin zusammen mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in Bochum-Weitmar; die sechs Jahre ältere Schwester hat keine Fußballkarriere eingeschlagen. Und weil Fußball, Studium und Job das Leben noch nicht komplett ausfüllen, leitet Lilly Stojan an drei Grundschulen in ihrem heimatlichen „Revier“ auch noch eine Fußball-AG. Problemlos vereinbar mit ihrem Engagement als Leistungssportlerin ist inzwischen ihre vegane Ernährungsweise. Angeregt durch ihre Mutter Sabine, die als Heilpraktikerin, Homöopathin und Ernährungsberaterin eine Praxis für ganzheitliche Gesundheit in Bochum führt, verzichtet sie… Lilly Stojan im Porträt: Mit Durchhaltewillen zur festen Größe geworden weiterlesen
Auswärtsfluch besiegt und kein Gegentor kassiert: Der FSV Gütersloh hat am Sonntag mit dem 3:0-Sieg in Freiburg einen wendepunktreifen Auftritt hingelegt. Nach vier zum Teil deftigen Niederlagen feierten die Fußballerinnen bei der Bundesligareserve des Sportclubs den ersten Sieg in der Fremde, und erstmals hielt das Team auch auswärts hinten die Null. „Ein hoch verdienter und ein wichtiger Sieg“, befand Rainer Borgmeier mit Hinweis auf die vorherige Negativbilanz und mit Blick auf die Tabelle der 2. Frauen-Bundesliga. Hier verbesserte sich der FSV mit nunmehr 13 Punkten von Rang zehn auf Platz sieben und hat nun sechs Zähler Vorsprung vor der Abstiegszone. Unser Co-Trainer hatte im Freiburger Möslestadion das Sagen, weil Daniel Fröhlich wegen der im Heimspiel gegen Mönchengladbach eingehandelten Gelbroten Karte gesperrt war. Von seinem rund 50 Meter von der Bank entfernten Tribünensitz beobachtete der Cheftrainer, wie der FSV einen Klassenunterschied auf den Platz zauberte und ein hochkarätiges Chancenplus von 14:3 herausspielte. „Eigentlich hätten wir die Partie mindestens mit 6:0 oder 7:0 gewinnen müssen“, sagte denn auch der frühere Stürmer Rainer Borgmeier, ohne das allzu kritisch in die Analyse miteinzuflechten. Die FSV-Coaches vertrauten bei dem um 11 Uhr erfolgten Anpfiff im Prinzip der gleichen Elf, die letzte Woche beim 1:1 gegen Gladbach begonnen hatte. Einzige Ausnahme: Anstelle von Gizem Klic fungierte Linda Preuß im 4-3-3 als leicht hängende Centerin, während Jacqueline Baumgärtel und Celina Baum eher über außen angriffen. Schon nach 27 Minuten aber wurde Rainer Borgmeier zu einem Wechsel gezwungen. Celina Baum und Lilly Stojan waren im Freiburger Strafraum beim Versuch, zu einem von Melanie Schuster getretenen Eckball zu laufen, so unglücklich mit den Köpfen zusammengeprallt, dass beide mit blutenden Platzwunden zu Boden gingen. Die Partie konnte erst nach einer sechsminütigen Behandlungszeit fortgeführt werden. Während Innenverteidigerin Stojan einen Cut über dem Auge erlitt und mit einem Kopfverband weiterspielen konnte, musste die am Hinterkopf getroffene Baum ausgewechselt werden. Beide wurden im Krankenhaus untersucht, konnten die Heimfahrt aber im Mannschaftsbus antreten. Für Celina Baum kam Gizem Kilic in die Partie. Zum Zeitpunkt des blutigen Crashes führte der FSV bereits mit 1:0. Melanie Schuster hatte in der 13. Minute einen schlechten Befreiungsschlag der unter Druck gesetzten Freiburger Keeperin Rebecca Adamczyk abgefangen und aus 16 Metern flach eingenetzt. Immer wieder kamen die entschlossen und kollektiv pressenden Gütersloherinnen zu Ballgewinnen, von denen Celina Baum einen in der 17. Minute fast schon zum zweiten Treffer genutzt hätte. Es dauerte aber bis zur 45. Minute, dass Jacqueline Baumgärtel das 0:2 erzielte. Gizem Kilic und Maren Tellenbröker hatten einen Freiburger Ballverlust provoziert, und Tellenbröker passte blitzschnell in die Tiefe. Die perfekt in den Raum gestartete Baumgärtel behielt allein vor Adamczyk die Nerven und schob den Ball cool zu ihrem siebten Saisontreffer ein. Leider bewies die 22-Jährige im weiteren Spielverlauf nicht diese Nervenstärke im Abschluss. Gleich drei Mal (45.+7, 49., 81.) lief sie unbedrängt auf die Freiburger Keeperin zu, brachte den Ball aber nicht an ihr vorbei. „Macht sie allein in diesem Spiel alle ihren Chancen rein, bleibt sie bis Weihnachten unangefochten an der Spitze der Torjägerliste“, sagte Rainer Borgmeier angesichts der Chancenfülle. „Sie hat sich die Dinger für Ingolstadt aufgespart“, hofft der Co-Trainer lachend mit Verweis auf das bevorstehende Heimspiel. Aber auch andere FSV-Spielerinnen beteiligten sich am Auslassen. Gizem Kilic (38., 50., 54.) und Linda Preuß (45.+6) ließen Hochkaräter liegen, Maren Tellenbröker und Ronja Leubner (75.) scheiterten mit Pech. „Wie wir uns die Chancen herausgespielt haben, das war klasse“, schwärmte unser Co-Trainer von der Zielstrebigkeit, die ihre Basis in einer herausragenden defensiven Zweikampfquote hatte. „Ich ziehe den Hut davor, wie wir aufgetreten sind“, freute sich Borgmeier insbesondere, dass kein fußballerisches Nachlassen wie zuletzt gegen Mönchengladbach festzustellen war. Festzuhalten gilt allerdings auch, dass die Freiburger Gegenwehr begrenzt war und der FSV sie häufig auch im Keim erstickte. Warum der Drittletzte in neun Spielen erst sechs Tore erzielte, verwundert angesichts der neuerlichen Angriffsleistung nicht. Nur drei Mal wurden die Breisgauerinnen gefährlich: Einmal bereinigte Lilly Stojan die Situation im letzten Moment (23.), einmal wehrte Sarah Rolle glänzend den Lupfer von Jule Bianchi ab (51., der Nachschuss ging an den Außenpfosten), und einmal zog Nora Scherer im Clinch mit Rolle den Kürzeren (67.). Auch der Einsatz von vier Spielerinnen aus dem Bundesligakader – neben der Ex-Gütersloherin Noreen Günnewig noch Miray Cin, Nia Szenk und Maj Schneider – half nicht, die Überlegenheit des FSV einzudämmen. Ein besonderes Highlight dieser Partie war der Treffer zum 0:3 durch Merle Hokamp in der 65. Minute. Wie früh die 17-Jährige die sich anbahnende Kontersituation erkannte, wie sie sich aus der Innenverteidigung löste, während Freiburg noch im Angriffsmodus war, wie sie ins Mittelfeld vorpreschte noch bevor Gizem Kilic und Linda Preuß die beiden vorbereitenden Pässe spielten, und wie sie nach dem schönen Preuß-Zuspiel unaufhaltsam in den Freiburger Strafraum stürmte und den Ball (natürlich) eiskalt versenkte, war absolute Extraklasse. „Mit diesem Tor hat sie ihre herausragende Leistung gekrönt“, feierte Rainer Borgmeier den ersten Saisontreffer der U19-Nationalspielerin. Weiter geht es für den FSV Gütersloh am Sonntag, 17. November. Um 14 Uhr gastiert mit dem FC Ingolstadt, der am 10. Spieltag sein Heimspiel gegen den Hamburger SV mit 0:3 verlor, das Schlusslicht der 2. Frauen-Bundesliga in der Tönnies-Arena. SC Freiburg: Adamczyk – Volpert, Günnewig, Szenk (84. Heitz) – Scherer (74. Blöchlinger), Schmit (74. Traore), Schneider, Cin – Heck (84. Rummel), Bianchi, Scholle (46. Lorenz). Im Aufgebot: Rößler, Sadikou, Scharfenberg, Linsler (Tw). FSV Gütersloh: Rolle – Schmidt, Stojan (85. Zitzer), Hokamp – Schuster – Tellenbröker, Leubner – Baum (34. Kilic), Preuß (77. Bultmann), Baumgärtel (85. Wisniewski). Im Aufgebot: Bartling, Rädeker, Krumme (Tw). Schiedsrichterin: Alessia Jochum (Riegelsberg); Gelbe Karte: Blöchlinger. Zuschauer: 160. Ecken: 2:5 (1:3); Chancen: 3:14 (1:7). Tore: 0:1 Schuster (13.), 0:2 Baumgärtel (45.), 0:3 Hokamp (65.).
Auf maximal schmerzliche Weise hat der FSV Gütersloh die Chance verpasst, sich mit einem glücklichen Heimsieg von der Abstiegszone zu distanzieren und sich in die obere Tabellenhälfte der 2. Frauen-Bundesliga zu hieven. Weil Borussia Mönchengladbach in der vierten Minute der Nachspielzeit noch den verdienten 1:1-Ausgleich erzielte, fiel das Team von Cheftrainer Daniel Fröhlich um eine Position auf Rang zehn zurück. Das einzig Positive an diesem 9. Spieltag für den FSV: Weil die drei Tabellenletzten allesamt verloren, wuchs der Vorsprung vor Abstiegsplatz zwölf auf drei Zähler an. „Jetzt müssen wir eben im nächsten Spiel endlich auswärts beginnen zu punkten“, richtete Co-Trainer Rainer Borgmeier den Blick in seiner spontanen Trotzreaktion sofort auf die Partie am kommenden Sonntag beim Kellerkind SC Freiburg II. Bitter war nicht nur der Zeitpunkt des späten Gladbacher Ausgleichs, nach dem Schiedsrichterin Julia Boike (Offenbach) die Partie gar nicht erst wieder anpfiff. Die Unparteiische zeigte nach dem Abpfiff dem bereits während des Spiels wegen lautstarken Protestierens verwarnten Daniel Fröhlich die Gelb-Rote Karte, womit unser Coach für das Freiburg-Spiel gesperrt ist. „Sie zeigt zwei Minuten Nachspielzeit an und lässt dann deutlich länger spielen“, nannte Fröhlich als Grund für seine gegenüber Boike klar zum Ausdruck gebrachte Verärgerung. Besonders bitter war zudem, dass der Ausgleich nur durch einen Fehler von FSV-Torhüterin Sarah Rolle fiel. Unsere nach zwei Spielen Pause zwischen die Pfosten zurückgekehrte Kapitänin, zuvor die Souveränität in Person, wollte einen hohen, aber im Prinzip harmlosen Distanzschuss der Niederländerin Suus van der Drift fangen. Sie musste sich ordentlich strecken, ließ den Ball dann jedoch durch die Hände an den Innenpfosten gleiten, von wo er über die Torlinie tropfte. Während die Gäste frenetisch jubelten und sich über den Sprung auf den 7. Tabellenplatz freuten, schlug Sarah Rolle entsetzt die Hände vors Gesicht. Der Treffer war für den FSV Gütersloh das unglückliche Ende einer 45-minütigen Verteidigungsschlacht. „Wir haben kämpferisch alles rausgehauen“, lobte Daniel Fröhlich sein Team, das mit vereinten Kräften tatsächlich fast alles wegverteidigte, was die in der zweiten Halbzeit drückend überlegenen Gladbacherinnen an Bällen in den Strafraum brachten. „Auf die Defensivarbeit insgesamt können wir stolz sein, auch wenn es sich jetzt mit nur einem Punkt vielleicht nicht so gut anfühlt“, strich der FSV-Trainer das Positive heraus. Gar nicht zufrieden war Fröhlich dagegen mit dem, was sein Team in Ballbesitz zustande brachte, denn das war nach der Pause so gut wie gar nichts. Die Bälle wurden aus der Abwehr meistens ohne Adressatin nur lang nach vorne geschlagen. Entlastung entstand fast nie, auch weil niemand von den zunehmend entkräfteten Gütersloherinnen nachrückte. So konnte sich die Gladbacher Torhüterin Luisa Palmen schon in der 70. Minute tief in der Gütersloher Hälfte am Powerplay beteiligen. Ein einziges Mal, in der 84. Minute, kam der FSV tatsächlich zu einem potenziell gefährlichen Konter, als die eingewechselte Katharina Rädeker auf halblinks in den gegnerischen Strafraum eindrang. Statt selbst abzuziehen wählte sie einen Querpass nach innen, wo die bedrängte Lea Bultmann den Ball jedoch nicht traf und die Chance dahin war. Nach so einem einseitigen Match hatte es in der ersten Halbzeit nicht ausgesehen. Daniel Fröhlich hatte im 3-4-3-Schema eine Elf ins Rennen geschickt, die auf fünf Positionen gegenüber der 1:5-Enttäuschung aus Meppen verändert war. Neben Rolle liefen auch Nele Schmidt, Melanie Schuster, Lilly Stojan und erstmals Gizem Kılıç auf, während Marie Schröder, Chiara Tappe (beide verletzt), Lea Bultmann, Linda Preuß und Janne Krumme draußen blieben. Vor hundert Zuschauern in der Tönnies-Arena untermauerte der FSV mit engagiertem Pressing seinen „Wohnzimmer“-Anspruch und kam sofort zu Chancen. Erst scheiterten Lilly Stojan, Merle Hokamp und Ronja Leubner im Gewusel nach der ersten Ecke nur knapp (4.). Nur zwei Minuten später schoss sich Jacqueline Baumgärtel mit ihrem sechsten Saisontreffer an die Spitze der Zweitliga-Torjägerliste. Die 22-Jährige verwertete ein Zuspiel von Gizem Kılıç zum 1:0. Und in der 9. Minute kam Finja Kappmeier sogar zum nächsten ordentlichen Abschluss, der indes eine Beute von Fohlen-Keeperin Luisa Palmen wurde. „Wir haben in der ersten Halbzeit versäumt, das 2:0 nachzulegen“, bedauerte Daniel Fröhlich und hatte dabei auch den knapp gescheiterten Heber von Ronja Leubner (40.) und den abgefälschten Schuss von Jacqueline Baumgärtel (45.+2) im Blick. Unser Trainer hatte aber schon nach der starken Anfangsphase erkannt, dass sein Team an Ordnung, defensivem Zugriff im Mittelfeld sowie Klarheit und Ruhe im Nach-Vorne-Fußball eingebüßt hatte. Mit einem Wechsel zur Viererabwehrkette und verdichteter Präsenz im zentralen Mittelfeld hatte das Trainerteam ab der 30. Minute versucht, entgegenzusteuern. Zum Glück brachten die Gäste aus Mönchengladbach außer einem halben Dutzend Abseitssituationen offensiv nicht viel zustande, so dass der FSV nach einem wild-intensiven Schlagabtausch mit einer 1:0-Führung in die Pausenkabine ging. Fast hätte der Spielstand auch bis zum Ende Bestand gehabt, wobei Sarah Rolle etwas Glück hatte, dass Schiedsrichterin Boike das Tor von Emily Tichelkamp in der 73. Minute nicht anerkannte. Die Gladbacherin hatte ihr den Ball mit dem Fuß zwischen den aufnahmebereiten Händen weggespitzelt und über die Linie geschoben. So musste ein ärgerlicher Last-Minute-Treffer herhalten, um ein letztlich gerechtes Endresultat zu produzieren. Gar nicht freuen konnte sich darüber unsere starke Innenverteidigerin Merle Hokamp. FSV-Geschäftsführer Michael Horstkötter hatte der U19-Nationalspielerin vor dem Anpfiff unter dem Applaus des Publikums mit einem Poster und einem Blumenstrauß zu der vom DFB verliehenen Fritz-Walter-Medaille in Gold gratuliert. FSV Gütersloh: Rolle – Stojan, Schuster, Hokamp – Schmidt, Tellenbröker, Kappmeier, Leubner (81. Bultmann) – Baumgärtel (90.+2 Bartling), Kilic (46. Preuß), Baum (68. Rädeker). Im Aufgebot: Gärtner, Zitzer, Krumme (Tw). VfL Borussia Mönchengladbach: Palmen – Arici, Klensmann, Brietzke – Zielinski, Bartsch, van Leeuwe (59. Drissen), Corres – Scholten (88. Klinger), Radke (59. Van der Drift) – Aslanaj (59. Tichelkamp). Im Aufgebot: Kessels, Frehse (Tw). Schiedsrichterin: Julia Boike (Offenbach). Gelb-Rote Karte: Daniel Fröhlich (Trainer); Gelbe Karten: Kappmeier, Rädeker, Schmidt – Jonas Spengler (Trainer). Zuschauer: 100. Ecken: 2:5 (2:3); Chancen: 6:3 (5:3) Tore: 1:0 Baumgärtel (6.), 1:1 van der Drift (90.+4).